Josef Piek und Purple Schulz waren vor über 20 Jahren in erster Linie dazu angetreten, live zu spielen. "Natürlich ist es klasse, mit Symphonieorchester und Chor in großen Hallen aufzutreten, wie wir es auf der Nokia Night of the Proms Tour 1999 gemacht haben", erklärt Purple Schulz, der sich im Milleniumsjahr 2000 der Arbeit an einer Buchreihe gewidmet hat. "Aber den Spass, den ich dabei hatte, in einem kleinen Ristorante mit dem Wirt bis morgens früh um fünf Zucchero-Songs zu spielen, möchte ich auf gar keinen Fall missen. Man kann zwar das eine nicht mit dem anderen vergleichen, aber erst wenn beides möglich ist, macht mir Musik Spaß, hat sie etwas Unmittelbares."
Mit der Reduktion auf Klavier (Purple Schulz), Gitarre (Josef Piek) und Stimme (beide) erfahren die Songs des Kölner Pop-Duos eine Verjüngungskur, die durch den bewussten Verzicht auf Elektronik den Blick auf das Wesentliche freigibt. Und das sind die kleinen, treffsicher beschriebenen Geschichten des Lebens, die ohne den Ballast tonnenschweren Equipments noch zielsicherer den Weg ins Herz der Hörer/innen finden.
Ob Steptanzeinlagen von Purple Schulz, aberwitzige Dialoge zwischen zwei Protagonisten der Popmusik, die seit 20 Jahren gemeinsam auf deutschen Bühnen auftreten oder einfach nur die spontane Interaktion zwischen Publikum und Künstlern (Purple saß nicht nur einmal draußen im Publikum während der Show) - die Beiden liefern einen äußerst unterhaltsamen, lustigen und natürlich konzertanten Abend.
"Als wir 1997 das Album POP produzierten, hatte ich die Songs, nur mit dem Klavier begleitet, in eben diesem Ristorante gespielt, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Leute auf die Stücke reagieren", erklärt Purple Schulz. "Dabei merkst du sofort, welcher Song wirklich gut ist. Am Ende eines guten Songs steht sofort ein Bier auf dem Klavier." Soviel zum Thema Catering. "Ein guter Song kommt mit einem Instrument und einer Stimme aus, und daran ändern auch aktuelle Trends nichts", erklärt Josef Piek, Gitarrist und Produzent des Kölner Duos.
Und obwohl es ziemlich viele gute Songs sind, die in ihrer nun schon 25 jährigen Zusammenarbeit entstanden, lockern Schulz und Piek ihr Duo-Programm auch mit Fremdkompositionen auf. Immer schon waren die Balladen die stärkste Seite von Purple Schulz, hatte hier seine Stimme den Raum, in die Geschichten einzutauchen und den Zuhörer auf die teilweise sehr intimen Seelenwanderungen mitzunehmen. Und so nutzen sie die Pausen zwischen den Songs dazu, den direkten Kontakt mit dem Publikum zu pflegen und die eine oder andere Hintergrundgeschichte zu erzählen.
Damit es musikalisch auch zu Überraschungen kommt, haben die beiden Kölner außer Gitarre und Klavier noch einige andere Instrumente im Gepäck. Wer mit dem Namen »Purple Schulz« nur die Hits »Verliebte Jungs« und »Sehnsucht« verbindet, wird sich an diesem Abend darüber wundern, wie viele wunderschöne Nummern er in den letzten beiden Jahrzehnten versäumt hat. Und sich schließlich freuen, dass er/sie nun doch noch die Gelegenheit hat, sie zu erleben.